Betreuungskraft auswählen: aus Sicht einer Familie

Wie wählen wir eine Betreuungskraft für die 24-Stunden-Betreuung aus, und was besprechen wir vor ihrer Ankunft?

Lange dachten wir, unsere Mutter komme noch allein zurecht. Wir kauften für sie ein, riefen regelmäßig an und besuchten sie am Wochenende. Sie sagte immer: „Macht euch keine Sorgen, ich komme allein klar.“ Dann zeigten immer mehr kleine Anzeichen, dass das nicht mehr ganz stimmte. Manchmal vergaß sie, ihre Medikamente einzunehmen. Sie wurde zunehmend unsicher auf den Beinen. Beim Baden brauchte sie bereits Hilfe, und wir riefen immer häufiger an, nur um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war.

Irgendwann mussten wir als Familie aussprechen: Unsere Mutter braucht regelmäßig Unterstützung. Doch wie finden wir einen Menschen, dem wir sie mit gutem Gefühl anvertrauen können?

Betreuungskraft auswählen: aus Sicht einer Familie

Wir suchen nicht einfach „eine Betreuungskraft“

Unsere erste wichtige Erkenntnis war, dass es nicht genügt zu sagen: „Wir suchen eine Betreuungskraft, die bei einer älteren Dame wohnt.“ Das sagt fast nichts über die eigentliche Aufgabe aus. Wir setzten uns zusammen und überlegten möglichst genau, welche Hilfe unsere Mutter braucht.

  • Kann sie selbstständig aufstehen?
  • Kann sie allein zur Toilette gehen?
  • Kann sie sicher laufen?
  • Braucht sie Hilfe beim Baden und Anziehen?
  • Muss jemand für sie kochen?
  • Braucht sie Hilfe beim Einkaufen?
  • Muss sie zum Arzt begleitet werden?
  • Steht sie nachts auf?
  • Hat sie Gedächtnisprobleme?
  • Kann sie für kurze Zeit allein bleiben?

Je genauer wir diese Fragen beantworteten, desto klarer wurde uns, welche Betreuungskraft wir suchen müssen.

Die Betreuungskraft muss die tatsächliche Situation kennen

Als Familie kann man leicht dazu neigen, die Situation besser darzustellen, als sie ist. „Mama macht noch fast alles selbst.“ „Sie braucht nur ein bisschen Hilfe.“ „Nachts schläft sie normalerweise.“ Kommt die Betreuungskraft dann an und trifft auf eine ganz andere Situation, können schnell Probleme entstehen. Deshalb beschlossen wir, lieber alles im Voraus zu erzählen.

Wenn unsere Mutter nachts zweimal aufsteht, sagen wir das. Wenn sie beim Baden Hilfe braucht, ebenfalls. Wenn sie manchmal verwirrt ist, auch das. Und wenn sie etwas nicht braucht, erwähnen wir es ebenso. Nicht, um ein schlechteres Bild von ihr zu zeichnen, sondern damit sich eine Betreuungskraft meldet, die diese Aufgabe wirklich übernehmen kann und möchte.

Nicht jede erfahrene Betreuungskraft passt zu jedem Menschen

Früher dachten wir: Je mehr Jahre Erfahrung jemand hat, desto besser ist die Wahl. Heute sehen wir das differenzierter. Jemand kann zehn Jahre Betreuungserfahrung haben, aber wenig Erfahrung mit Menschen mit Demenz. Eine andere Person kann besonders gut Menschen mit eingeschränkter Mobilität unterstützen. Manche kochen gerne, erledigen Einkäufe und übernehmen Aufgaben im Haushalt. Andere sind vor allem in der Unterstützung bei der Körperpflege und anderen persönlichen Verrichtungen erfahren.

Manche übernehmen gerne mehrwöchige Einsätze mit Wohnen im Haushalt, andere arbeiten lieber tageweise oder im Schichtdienst. Wir müssen deshalb nicht unbedingt die „beste Betreuungskraft“ finden. Wir müssen diejenige finden, die zu uns und zur Betreuungssituation passt.

Sprachkenntnisse können wichtiger sein, als wir zunächst denken

Wenn die Betreuungskraft und der ältere Mensch nicht dieselbe Muttersprache haben, ist Kommunikation besonders wichtig. Perfekte Sprachkenntnisse sind nicht in jeder Situation erforderlich. Doch beide müssen sich im Alltag verständigen können. „Mir tut etwas weh.“ „Ich habe Durst.“ „Hilf mir beim Aufstehen.“ „Ich möchte mich hinlegen.“ „Mir geht es nicht gut.“ Das sind keine unwichtigen Sätze.

Deshalb sollten wir als Familie überlegen, in welcher Sprache und auf welchem Niveau die Verständigung in der jeweiligen Situation möglich sein muss.

Auch die Persönlichkeit zählt

Die Betreuungskraft kommt nicht nur für zwanzig Minuten am Tag. Wenn sie im Haushalt wohnt, lebt sie tagelang oder wochenlang mit dem Menschen zusammen, den sie betreut. Deshalb war uns auch wichtig, wie sie als Mensch ist.

  • Ist sie geduldig?
  • Unterhält sie sich gerne?
  • Hat sie ein ruhiges Wesen?
  • Wie spricht sie mit einem älteren Menschen?
  • Wie reagiert sie in einer schwierigen Situation?

Unsere Mutter unterhält sich zum Beispiel gerne. Sie erzählt gerne dieselben alten Familiengeschichten, auch mehrmals. Eine fachlich geeignete Betreuungskraft, die den ganzen Tag kaum mit ihr spricht, wäre für sie wahrscheinlich nicht ideal. Betreuung bedeutet schließlich nicht nur, Aufgaben zu erledigen. Sie ist auch eine menschliche Beziehung.

Was können wir von der Betreuungskraft erwarten?

Auch das muss genau besprochen werden.

  • Kochen?
  • Einkaufen?
  • Wäsche waschen?
  • Das Umfeld der betreuten Person ordentlich halten?
  • Spazieren gehen?
  • Begleitung zum Arzt?
  • Hilfe bei der Körperpflege?
  • Anziehen?
  • Unterstützung bei der Fortbewegung?
  • Nächtliche Hilfe?

Es funktioniert nicht, wenn die Familie denkt, etwas sei „selbstverständlich dabei“, während die Betreuungskraft ganz andere Aufgaben zugesagt hat. Was uns wichtig ist, besprechen wir vorher.

Aber unsere Erwartungen an die Betreuungskraft sind nicht alles

Nach einer Weile stellten wir uns auch die umgekehrte Frage:

  • Was bieten wir dem Menschen, der bei uns einzieht und sich um unsere Mutter kümmert?
  • Hat die Person ein eigenes Zimmer?
  • Kann sie sich an einem geeigneten Ort ausruhen?
  • Gibt es Internet?
  • Wie ist ihre Verpflegung geregelt?
  • Wer kauft die Lebensmittel ein?
  • Kann sie die vereinbarten Ruhezeiten einhalten?
  • Darf sie bestimmte Haushaltsgeräte benutzen?
  • Gibt es einen Parkplatz, wenn sie mit dem Auto kommt?

Diese Punkte zu klären ist genauso wichtig wie die Aufgaben der Betreuungskraft. Eine faire Zusammenarbeit beruht schließlich auf Gegenseitigkeit.

Auch die Verpflegung besprechen wir im Voraus

Auf den ersten Blick mag das unwichtig erscheinen. Wenn jemand mehrere Wochen bei uns lebt, ist es das aber keineswegs.

  • Isst die Betreuungskraft gemeinsam mit unserer Mutter?
  • Stellt die Familie die Lebensmittel bereit?
  • Bekommt sie ein eigenes Verpflegungsbudget?
  • Gibt es Lebensmittel, die sie nicht isst?
  • Hat sie besondere Ernährungsbedürfnisse?

Natürlich muss die Betreuungskraft dasselbe auch über die betreute Person wissen.

  • Hat sie Diabetes?
  • Hat sie Lebensmittelallergien?
  • Braucht sie pürierte Kost?
  • Gibt es Lebensmittel, die sie aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht essen darf?

Gerade solche Kleinigkeiten können im Alltag später zu den größten Missverständnissen führen.

Die nächtliche Hilfe ist ein eigenes Thema

„24-Stunden-Betreuung“ bedeutet nicht, dass ein einzelner Mensch rund um die Uhr ohne Unterbrechung arbeitet. Auch die Betreuungskraft braucht ausreichend Ruhe. Deshalb muss gesondert besprochen werden, was nachts passiert.

  • Schläft unsere Mutter normalerweise durch?
  • Steht sie einmal oder mehrmals auf?
  • Muss sie zur Toilette begleitet werden?
  • Besteht Sturzgefahr?
  • Kann es wegen einer Demenz nachts zu Verwirrtheit kommen?

Ist regelmäßig nächtliche Versorgung nötig, darf das weder verschwiegen noch als unwichtige Kleinigkeit behandelt werden. Es beeinflusst die Arbeit erheblich.

Anreise, Einsatzdauer, Ablösung und Vergütung

Besonders bei Betreuungskräften aus dem Ausland müssen diese Punkte schon vor der Abreise klar sein.

  • Wann beginnt die Arbeit?
  • Wie lange dauert ein Einsatz?
  • Wann kommt die Ablösung?
  • Wer bezahlt die Reise oder beteiligt sich in welcher Höhe an den Kosten?
  • Wie erfolgt die Bezahlung?
  • Welche Vergütung haben wir vereinbart?
  • Was passiert, wenn der Einsatz früher als geplant beendet werden muss?

Je mehr wir vorher klären, desto geringer ist die Gefahr, später zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen von derselben Vereinbarung zu haben.

Und wir haben uns noch immer nicht entschieden

Nachdem wir all das durchdacht hatten, wurde uns etwas klar. Die passende Betreuungskraft wählt man nicht unbedingt anhand einer einzigen Angabe aus. Es zählt nicht nur das Alter. Nicht nur die Qualifikation. Nicht nur die Zahl der Berufsjahre. Nicht nur die Sprachkenntnisse. Und nicht nur der Preis. Wir müssen das Gesamtbild betrachten: den Zustand der betreuten Person, die Erfahrung der Betreuungskraft, die übernommenen Aufgaben, die Kommunikation, die Arbeitszeiten, die Wohnbedingungen, die finanziellen Vereinbarungen und das menschliche Miteinander.

Deshalb kann ein ausführliches Profil wichtig sein

Genau darauf beruht einer der Grundgedanken von Vimora Care. Eine Familie sollte mehr als nur einen Namen, ein Foto und eine Telefonnummer sehen können. Im ausführlichen Profil einer Betreuungskraft finden sich wichtige Informationen für die Auswahl, etwa Sprachkenntnisse, Erfahrung, das gewünschte Arbeitsmodell, Verfügbarkeit und weitere praktische Angaben. Die Familie kann in ihrem eigenen Betreuungsgesuch genauer beschreiben, wen sie für welche Betreuungssituation sucht, wo, ab wann und unter welchen Bedingungen.

Das ersetzt selbstverständlich kein persönliches Gespräch. Es hilft vielmehr, dieses erste Gespräch auf einer guten Grundlage zu beginnen.

Am Ende bleibt eine einfache Frage

Wenn wir eine Betreuungskraft finden, deren Erfahrung und angebotene Leistungen passend erscheinen, sprechen wir mit ihr. Und wir fragen nicht nur: „Können Sie die Aufgabe übernehmen?“ Sondern auch: „Glauben Sie, dass diese Stelle zu Ihnen passt?“ Denn eine Betreuung im gemeinsamen Haushalt kann langfristig gut funktionieren, wenn nicht nur die Familie eine Betreuungskraft auswählt. Auch die Betreuungskraft entscheidet sich bewusst für eine Familie und eine Tätigkeit.

Wenn beide Seiten offen sagen, was sie brauchen, was sie bieten können und welche Aufgaben sie übernehmen, lassen sich viele spätere Missverständnisse vermeiden, noch bevor die Betreuungskraft ihren Koffer packt. Vimora Care: ausführlichere Informationen vor dem ersten Gespräch zwischen Familie und Betreuungskraft.